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In der Bretagne zu segeln ist ein wenig so als würde man dem Atlantik beim Atmen zusehen. Ein mehr oder weniger stetiges sich Heben und Senken des Meeresspiegels gibt in dieser auf den ersten Blick rau wirkenden Gegend den Rhythmus derer vor, die sich auf und mit dem Wasser bewegen wollen. Hier gilt es Tidenkalender aufmerksam zu studieren, Koeffizienten einzukalkulieren und Seekarten mehr als nur einen flüchtigen Blick zu widmen, denn wer zu einem der begehrten Liegeplätze hinter den Schleusen gelangen will, sollte wissen zu welcher Zeit er sich dahin auf den Weg machen muss.


Der Ausgangshafen war dieses Mal Lorient. Ein Ort für all jene die gerne innovativ segeln, Segelsport im Allgemeinen und natürlich all jenen, denen es einfach so Spaß macht. Gleich am Steg begrüßen uns Tanja und Thomas, Skipper und Gastgeber dieses Törns, auf ihrer Gib Sea 51 Adrienne. Ein stattliches Boot, dass allen Komfort und jede Menge Platz für die gesamte Crew bietet,  selbst wenn sich alle zusammen im Salon aufhalten, was bei den bretonischen Temperaturen und der stetig wehenden Brise durchaus schon mal vorkam.


Thomas, Gezeitenkundiger und quasi Einheimischer, gab uns gleich zu Beginn eine Einführung in die Hohe Kunst des Gezeitentafeln-Lesens und -Korrekturberechnens sowie in die Technik der Zwölftel-Regel und des Strömungsrichtung und – stärke- Ablesens aus der Karte. Wohl aus dem Theorieunterricht bekannt, allerdings nie so anschaulich erlebt wie hier. Dann schnell noch die Zeit des Ablegens festgesetzt, damit das nur wenige Stunden offenstehende Fenster von günstiger Strömung und Wassertiefe an unserem Zielort und die geöffnete Schleuse sich nicht vor unserer Nase schließen würden, und schon waren wir unterwegs zu einem genialen Abendprogram im „Le Cargo“, einer urigen Bar mit Live Musik jeden Samstag Abend. Das Spektrum war breit gefächert mit einer vom Äußeren her ZZ-Top ähnlichen Band , die das Spektrum zwischen Lynnerd Skynnerd, Deep Purple und Neil Young breit aufzufächern wusste.

 
Die erste Etappe kündigte sich schon am nächsten Morgen mit einem im Rigg enthusiastisch heulenden Wind und grauen Nebelschwaden an, doch noch bevor wir unsere Nasen in den Wind halten würden, stand noch ein kleiner Provianteinkauf im nahen Städtchen Locmiquelic St. Catherine auf dem Plan, knapp gefolgt von einem reichhaltigen Frühstück, selbstverständlich nur komplett mit einem Croissant und oder wahlweise einem köstlichen Pain au Chocolat, wie es eben nur die Franzosen zu backen wissen.
Dann hieß es schon Leinen Los und auf zur Fahrt nach Le Palais auf der Belle Ile durch eine milchig trübe Landschaft aus schemenhaften Nebelfetzen und einem buckeligen, metallisch grau schimmernden Atlantik. Entsprechend waren wir mit zwei Reffs im Groß und der Fock bei sieben Windstärken unterwegs.
Für Badetörn-Gewöhnte ein doch recht ungewohntes Wetter.
Le Palais präsentierte sich uns schließlich, nach nur wenigen Stunden Fahrt, von seiner wehrhaften Seite: die abweisenden Festungsmauern der Zitadelle ragen steil Steuerbord der Gib Sea in den Nebel und wir haben Zeit sie etwas zu bewundern, bevor die kleine Ampel der Schleusentore auf grün umschlägt und uns Einlass in den inneren Teil von Le Palais’ Hafen gewähren. Hier schmiegen sich die großen und die kleinen Segelboote in Päckchen aneinander und manch einer muss über mehr als zwei Decks klettern um mit frisch gebackenen Baguettes unterm Arm von der Mole wieder auf sein Schiff zu gelangen.
Gleich schälen wir uns aus der semi-durchfeuchteten Segelmontur und wärmen uns bei einem Schluck Rum in einer gemütlichen Bar gleich gegenüber der Adrienne, wo man selbst im Ölzeug und den Segelstiefeln sitzen kann, ohne auch nur aufzufallen. Hier gehören feste Stiefel und Funktionskleidung zum allgemeinen Stadtbild der Einheimischen.


Der kommende Morgen verspricht kaum sonnigeres Wetter, doch das hält uns nicht davon ab, einen Abstecher auf die Insel Houat zu machen. Ein wild bretonisches Stückchen Land, das an alle durch Bildbände über die Bretagne geweckten Erwartungen an eine solche Insel locker heranreicht. Über einen quarzsandigen Strand und einem sich durch eine dünenhafte Landschaft windenden Pfad gelangen wir in das kleine Dorf. Weiß getünchte Häuser drängen sich geduckt an den Wegen, die kleinen Gärten bersten allerdings geradezu vor Farb- und Formenvielfalt der Vegetation und das maritime Thema ist überall zu finden: Sei es ein in Vorhänge eingestickter Anker, Segeltuch als Windschutz oder ausgemusterte Schoten, die nun als Begrenzungszaun neue Funktion ausüben. Selbst in der kleinen Dorfkirche finden wir das Thema fortgeführt in Form eines Schiffsmodells über dem Altar und bunten Fischen in den Kirchenfenstern – hier ist das Leben mit dem Meer das bestimmende Element.


Noch am selben Tag machen wir uns auf den Weg weiter in den Golf von Morbihan, nach Vannes. Malerisch am nördlichen Ende des Golfs gelegen, mit einer verwinkelten Altstadt in der sich die schräg gewachsenen, bunt gestrichenen Häuserfassaden vertrauensvoll aneinander anlehnen oder sich stellenweise quer über die Gasse einander zu zuneigen scheinen. Hier darf der Besuch in einer traditionellen Creperie, die es hier an jeder Ecke gibt, natürlich auch nicht fehlen und somit finden wir uns am Abend in der „Crêperie la Tour Trompette“ mit Galette und Crêpe Experte Thomas wieder,  das Menü einmal rauf und wieder runter bestellend, bis jeder genau die Galettes oder Crêpes bekommen hat, die er möchte.
Der Morgen beschert uns dann noch einen Ausflug zum lokalen Fischmarkt, wo man sich ob des reichhaltigen Angebots erst einmal bei einem bestandaufnehmenden Rundgang einen Überblick verschaffen sollte und sich dabei von den vielen glasigen Augenpaaren, die einem von den aufgeschütteten Eismeeren entgegenblicken, geradezu  streng bei seinem Einkauf beobachtet fühlt. Die Einkaufstaschen schliesslich prall gefüllt  mit Meeresgetier und vielversprechend duftenden französischem Käse, schlendern wir gemütlich wieder zurück an Bord der Adrienne. Immerhin wollen wir heute den Fisch in Port Haliguen bei der Presqu’ ile de Quiberon verzehren.

 
War der Morgen noch etwas zaghaft sonnendurchwirkt, so kann sie sich doch bis zu unserer Abfahrt gänzlich durchsetzen und zeigt uns den Golf von Morbihan bei der Ausfahrt noch mal von seiner sonnigsten Seite. Schwarzgrau und zackig verläuft die viel gezahnte Küstenlinie, das Fahrwasser unterbrochen durch viele kleine Inseln, auf denen jede Möwe ihren eigenen Dolmen hat, auf dem sie thronen kann. Im Mittagslicht leuchten auch die saftig grünen Wiesen oberhalb des rauen Felsgesteins und steigen nach dem scharfkantigen, finsteren ersten Stück geradezu sanft den einen oder andere Hügel hinauf zu so manch herrschaftlichem Anwesen.
In Port Haliguen begrüßen uns auf den mit safrangelben Flechten überzogenen Hafenmauern ein Fischer und eine ihm ins Netz gegangene Meerjungfrau aus Bronze, die Eine sich gerade aus den Verstrickungen des Netzes entwindend, der Andere etwas ungläubig ob seines ungewöhnlichen Fangs hinüber starrend.  Hier heult der Wind Nachts wieder im Rigg und zeigt sich vorfreudig uns am nächsten Morgen hinüber zur Ile de Groix in den Port Tudy zu treiben.


Segelwetter wie aus dem Bilderbuch begleitet uns bei der kleinen Überfahrt. Angenehm wärmender sowie das Gemüt erhebender Sonnenschein kombiniert mit einer stabilen Brise lassen die paar Stunden und Seemeilen wie im Flug vorüber ziehen.
Die Ile de Groix bietet nicht nur den weltweit einzigartig konvex verlaufenden Strand, sondern auch eine wildromantische Küstenlinie mit viel ungezähmten Grün und schmalen Pfaden, die sich in einem großmaschigen Netz über die Insel ziehen. Auch hier geht einem jeden Hobbygärtner das Herz auf wird er erst einmal des Überflusses und der Wachstumsfreudigkeit der Gartenpflanzen ansichtig. Rosen ranken sich in allen Farben über Hauseingänge und Lauben, der Trimmstil der Rasen in den Vorgärten variiert von englisch Mit-der-Nagelschere-geschnitten bis zu amazonischen Regelwald- Verkrautungen und eine jede Pflanze, die man in unseren Regionen sonst nur in bescheidenen Topfverhältnissen zaghaft blühen sieht, streckt sich hier vielarmig in alle Himmelsrichtungen. Die kleine Insel lässt sich außerdem nicht nur fantastisch zu Fuss erkunden, sich ein Rad für einen Tag zu leihen ist ebenfalls eine geniale Option, die der Großteil der Crew gerne in Anspruch nimmt.
Doch trotz aller Landschaftlicher Schönheit verspürt man den ersten wehmütigen Stich ob des Gedankens, dass es am folgenden Tag bereits wieder zurück nach Lorient gehen soll. Eine Woche voller Eindrücke und vielseitiger Erlebnisse geht langsam zu Ende.


Der letzte offizielle Törntag bringt uns also wieder wohlbehalten, deutlich gezeitenkundiger und sogar ein kleines bisschen gebräunter zurück nach Lorient, in unseren Ausgangshafen Pen Mane. Zur Feier des Tages hat Thomas noch einen Tisch in der uns bereits vom ersten Abend bekannten, lokalen Szene Bar „Le Cargo“ reserviert, wo uns ein köstliches Menü – dem Fisch- und Muschelvorkommen und den feinen Gaumen der Region entsprechend – erwartet.  Es werden die Gläser erhoben auf einen gut gelungenen Törn, mit hervorragendem Gezeitenlehrprogramm und Segelspaß dank Thomas, dem Skipper, die hervorragende Verpflegung unterwegs – mit einem besonders großen Dank an Tanja unseren Kombüsen-Stabschef, und die Crew – Felli, unermüdlich an Winsch und Schot, Willi – dem unerschrockenen Anleger, Thomas – der Steuermann fürs wild-bretonische Wetter, Elisabeth – keine filetiert einen Weißfisch besser und Erhard, dem ein heulendes Rigg die Windstärke flüstert und der ausnahmsweise mal nicht Skipper sein durfte.


Um dem ganzen Törn allerdings noch die Krone aufzusetzen, fahren wir am darauf folgenden Tag mit Thomas, Tanja und einem Teil der Crew noch mal aus dem Hafen von Lorient hinaus um das Spektakel eines Volvo Ocean In-Port Race hautnah mitzuerleben. Dafür hatten wir uns genau den Richtigen Ort ausgesucht, denn das französische Team Groupama lag mit ihren Skipper Franck Cammas – sich inzwischen dem Heldenstatus in den französischen Herzen schon deutlich annähernd – in Führung und hatte auch die letzte Etappe von Lissabon nach Lorient gewonnen. Man möge sich die schiffsübergreifende Euphorie vorstellen, die einen schon beim bloßen Hinausfahren zur Regattabahn, geschlossen mit allen anderen, die ein Boot besitzen oder sich einen Platz darauf organisieren konnten, vorstellen. Neben uns tauchten die Renn Trimarane Sodebo und Groupama, ein Militärschiff mit am Heck aufgestelltem Patryzelt und die Minimundus Versionen der Volvo Ocean Racer auf – eine kleine Puma, eine kleine Camper, eine kleine Telefonica usw. Selbst die formschönen Pen Duicks von Eric Tabarly, normalerweise am Steg vor dem ihm gewidmeten Museum zu bewundern, hatten die Segel gesetzt und glitten elegant in Richtung Start. Jeder wollte bei diesem Spektakel dabei sein, das damit quasi ein Heimspiel für den nationalen Favoriten Cammas war.
Die farbenfrohen Rümpfe der enorm dimensionierten Racer schnitten sich schon eine Weile ihre Pfade durch die Wellen zwischen Lorient und der Ile de Groix, den Trimm auf die aktuellen Segelbedingungen – strahlender Sonnenschein, kräftige Brise, gemäßigte Welle – besser hätte es gar nicht sein können – einstellend, hörte man das Material bis herüber ächzen und stöhnen.
Den besten Start legte die blaue Telefonica hin, verkalkulierte sich dann allerdings bei einem Winddreher und Camper ging in Führung. Alle sechs Teams trieben ihre Renngeräte hoch am Wind am Limit auf die Luvtonne zu. Die Spinnaker wurden bereits vorbereitet und nach dem Runden der Luvtonne „wie im Drift“ explodierten sie in ihre volle Segelfläche und rissen die Racer nach vorne in unsere Richtung zur Leetonne.
Die Teams matchten sich mehrmals um die Tonnen, doch Camper beherrschte das Rennen und führte solide.
Die Wettfahrt war beinahe zu Ende - nur noch wenige Kabellängen trennte die führende Yacht von der Ziellinie -  als Camper die letzte Halse ein wenig zu früh ansetzte und Groupama einen Winddreher geschickt nutzte, der sie geradezu nach vorne katapultierte und an Camper vorbei ins Ziel preschen ließ. Welch ein Rennen! Die beobachtenden Franzosen waren außer sich vor Freude. Jubel brach los und die Spannung entlud sich in frenetischem Applaus, Zurufen, Pfiffen und Schiffshörnern.  Wie die Möwen einen Fischschwarm kreisten unzählige Boote das Siegerboot ein und eskortierten es zurück in den Hafen von Lorient - all die knurrend sprudelnden Motoren mischten das Meer hellblau und weiß schäumend auf und ließen es brodeln. Dass es an diesem Nachmittag keine Kollisionen gab war dann doch einigermaßen erstaunlich.

 

 

 

 


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