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Crewtreffen am 28.1.2012, 19 Uhr in der "Weißen", Salzburg, Rupertgasse 10

 

Dieses mariteam Abenteuer begann schon turbulent. Den Auftakt bildete der Einsatz unserer beiden Bordmediziner Christian und Burkhard auf grob geschätzten 35.000 Fuß luftiger Höhe. Ein Passagier benötigte intensive medizinische Betreuung aufgrund eines akuten Herzinfarkts und das Flugzeugpersonal war wohl auf zumindest einen unserer Doktoren aufmerksam geworden als dieser die Sitzreihen auf und ab schritt und Jaukerl zwecks Blutverdünnung an mariteam Segler verteilte wie sonst nur ein Kavalier Rosen. Nichtsdestotrotz mussten wir in Winnipeg (kanadisches Niemandsland) zwischenlanden und den Passagier in die notärztliche Versorgung vor Ort übergeben. Anschließend durften es sich unsere Ärzte in der First Class gemütlich machen - hin und hergerissen zwischen wohlverdientem Schlaf unter deutlich komfortableren Bedingungen und dem bewussten Genießen der Annehmlichkeiten, die sich einem im vorderen Teil des Flugzeugs förmlich aufdrängen, verbrachten sie die letzten Stunden unseres Fluges nach L.A.. Aufgrund der Verzögerung in unserem Flugplan wurden wir anschließend am Boden an allen sich in langen Warteschlangen Anstellenden vorbei durch die Express Lane gewinkt und mehr oder weniger zu unserem Anschlussflug gescheucht. Des Oberfischer Gernots Angel wurde selbstverständlich von Gepäckband zu Gepäckband handgetragen und nur unter strengster Beobachtung weitergegeben. Der Rest der Reise verlief dann  relativ unspektakulär und allen Crewmitgliedern war die Vorfreude auf die bevorstehenden Segeltage in der Südsee anzumerken als wir in einem farbenfrohen, umfunktionierten, ehemalige Schulbus zur Marina gebracht wurden. Während der Fahrt weht eine angenehme Brise durch das ruckelnde Vehikel und am Straßenrand ziehen bereits Palmenreihen und eine bescheidene Stadtlandschaft vorbei während ein sich noch in seinen Anfängen wähnender, strahlender Sonnentag sämtliche Gemüter erwärmt.

Wir kommen dann etwa gegen  Acht Uhr morgens in Raiatea leicht übernachtig an: Mannschaft vollzählig, Gepäck leider nicht. Martin muss sich vorübergehend mit der lokalen Mode eindecken und unser Skipper Erhard vermisst sein Fischzeug. In guter Hoffnung, dass die in Paris zurückgebliebene Tasche noch rechtzeitig nachgeliefert werden kann, machen wir uns abends auf die örtliche Küche zu genießen. Hier werden uns von am Straßenrand geparkten "Imbissbuden" aus Coeur de Veau und Cheow Men mit Pommes Frittes, BBQ Sauce und Kräuterbutter serviert. Eine willkommene Abwechslung zum zwar variantenreichen jedoch nichts desto trotz ewigen Bordessen von drei verschiedenen Flügen über einen Zeitraum von mehr als 20 Stunden. Ein allgemeines Gefühl der Zufriedenheit und Müdigkeit folgt auf das Menü und beschlossen wird der  Abend mit einer Runde Rum an Bord der Colorado.

Unser erstes Ziel am nächsten Morgen ist Huahine - eine kurze Fahrt zur Einstimmung - und bei der Ausfahrt durch den Pass von Raiatea bekommen wir schon mal einen dynamischen Vorgeschmack auf die berühmt berüchtigten Passströmungen der Südseeinseln. Fließt das Wasser mit uns aus dem Pass, so hat man das Gefühl die Insel spucke einen regelrecht aus. Fährt man hingegen gegen den Strom muss man sich eher aus dem Pass graben und die Anzeige des Tiefenmesser springt wild hin und her. Aus der Entfernung sieht die Wasseroberfläche aus als hätte jemand eine gigantische Gegenstromanlage in Gang gesetzt. Die Wellen kommen aus allen Richtungen gleichzeitig und das Wasser scheint regelrecht zu kochen. Fantastische Bedingungen für Delphine um zu jagen und mit, unter und durch die Wellen zu surfen, wie wir später noch bei einigen Gelegenheiten feststellen sollten. Wir verlassen den Pass und spüren den Übergang von Badewannen  Segelbedingungen zu einer echten Pazifikwelle in weniger als fünf Minuten. Das erlebt man auf den heimischen Seen doch eher selten. Am späten Nachmittag kommen wir in Huahine an, durchqueren den Pass und  segeln nun an der inneren Riffkannte entlang zur Baie Avae.

Nachts hört man die Wellen an den nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche liegenden Korallenköpfen aufbranden und bei dem nicht allzu fernen Echo des Getöses kann man sich fast gar nicht vorstellen wie so ein in Relation gesehen kleiner Ring aus Kalkskeletten um die Insel von Huahine der Wucht des offenen Meeres nicht nur standhält sondern auch für eine ruhige, runde Oase inmitten des Pazifik sorgt.

Am darauffolgenden Tag segeln wir noch einmal an der Insel entlang zu dem kleinen Ort Fare um anschließend, dort erst einmal vor Anker liegend, einen kleinen Kombüsen-Einsatz-Trupp auf Mission zu schicken, das kleine Städtchen zu erkunden und bereits aufgetretenen Nahrungsmitteldefiziten den Garaus zu machen. Ein erstaunlich großzügig bestückter Supermarkt liegt gleich, ganz nahe unserer Anlegestelle, an der "Haupteinkaufsmeile". Nebst glücklichen Funden, wie Wasabi Paste und einem Schneidbrett in Fischform lacht unseren Chefkoch und Bordarzt Christian eine Sau "am Stück", keck alle Viere von sich über den Rand der Gefriertruhe steil in die Höhe reckend, verführerisch an. Bereits logistische Pläne zur Aufhängung, Verarbeitung und Haltbarmachung der tiefgefrorenen 30kg an Schweinefleisch schmiedend, konnte nur in letzter Sekunde und mit beständiger Gegenrede im Hinblick auf die zu fangenden Fischen, verhindert werden, dass der Rest der Fahrt mit einer von den Haltegriffen des Hardtop wellen- synchron baumelnden Sau verbracht werden musste. Den malerischen in klassisch orange gehaltenen Sonnenuntergang genießen einige Crewmitglieder gepflegt bei einem (maximal zwei) Gin Tonic in einer echten Tiki Bar. Stefan, Skipper der Satie, pirscht sich sportlich in einem der von uns mitgenommenen Ocean Kayaks an den Landungssteg direkt vor der Bar an und gesellt sich zu der kleinen Runde. Gestärkt von einer Südsee untypischen, jedoch die Geschmäcker der Mannschaft begeisternden Ente mit Blaukraut betten wir uns noch einmal für eine ausgiebige Runde Schlaf, um für die große Überfahrt zu den Tuamotous am kommenden Morgen gerüstet zu sein.

Spätestens auf den ersten zurückgelegten Meilen am nächsten Morgen wird deutlich, dass die Segelbedingungen auf dem offenen Meer nichts mit einem gemütlichen  durchs Wasser Gleiten zu tun haben. Hier überlagern sich Windsee und großer Pazifik Schwell und die daraus entstandene Kreuzsee lässt unsere Catana 47 heranrollenden Wellenberg nach heranrollendem Wellenberg aufsteigen und auf die Kämme der Querläufer aufprallen. Ein Schaukeln, das sämtliche losen Küchengerätschaften abräumt  und das dumpfe Poltern, der auf den Rumpf prallenden Wassermengen bestimmen diese Stunden. Kein einziges anderes Schiff sichten wir auf dieser Fahrt bis uns völlig unerwartet einem Kat der mariteam Flotte gegenübersehen. Die schon in der vorangegangenen Nacht gestartete Crew der Satie hatte sich ob der Segelbedingungen zur Umkehr entschlossen. Sie brechen die Überfahrt ab und kehren zurück nach Huahine um bei nächster Gelegenheit die Überfahrt noch einmal in Angriff zu nehmen. Sicher keine leichte aber eine dem Wohlbefinden der Mannschaft die Priorität einräumende Entscheidung, die Skipper Stefan in Absprache mit der Mannschaft treffen mußte. Wir wünschen der Satie per Funk eine gute Fahrt und setzen unsere eigene Route fort. Nach 190 Seemeilen kommt beinah erst im letzten Moment das Motou Tikehau in Sicht. Trotz beständig heranrollender Wellengipfel und -täler und eines zwar soliden allerdings vom Winkel her nicht ganz günstigen Windes ist die Stimmung an Bord der Colorado gut und von dauerhaftem Optimismus geprägt. Besonders erwähnenswert für diese Langfahrt sind wohl an erster Stelle drei fantastische Fischfänge. Gernot´s Fischergeschick beschert uns einen traumhaften Bonito und sagenhaften Tuna. Neuzugang der Fischergilde ist Max, der mit unseres Skippers Leine ohne es zu Ahnen ebenfalls einen nicht minder beachtenswerten Tuna an Bord zieht. Bei Seegang 4 und Windstärke 5 werden, professionell wie in einer Fischfabrik, die tiefroten, zarten Tunafilets für die Kühlung einfoliert. Den Bonito kredenzt uns Christian von der Flamme geküsst und nur mit einem Anflug von Salz und Pfeffer, um den feinen Geschmack des "Schönen" nicht zu übertünchen. Zu später Stunde geht eine wie mit der Feder gezeichnete, scharfe Sichel auf. Die schattierte, matte Scheibe des zunehmenden Mondes hebt sich deutlich von dem strahlenden Kranz ab. Ein Mond wie in den Himmel gestempelt. Dem anbrechendem Morgen entgegen wühlt sich die Colorado weiter beständig Tikehau entgegen und kurz vor der Passage in die Lagune wird uns noch eine Runde stärkendender Spiegeleier zum ersten kleinen Frühstück serviert. Bei diesen Bedingungen zu kochen scheint dem Herrn Professor Fellinger nicht mal eine zusätzliche Schweißperle auf die Stirn zu treiben. Schließlich, kaum in der Lagune angekommen, fällt die Mannschaft noch kurz über eine Schwarte Speck her und dann ist das Deck auch schon geräumt und jeder holt auf seine Art den wohlverdienten Schlaf der letzten Nacht nach.

Sicher umschlossen vom Ringatoll Tikehau gestalten sich die nächsten Tage deutlich ruhiger. Handzahme Wellen umsäuseln nun die beiden Schwimmer der Colorado und es wiegen sich in sanfter  Brise die Palmenhaine, dabei lange Schatten auf den Sand werfend, zartgliedrigen Fingern gleich die sich nach dem Meer hin ausstrecken. Der erste Kokosnuss-Ernte-Trupp und Strand-Erkundungstrupp lässt sich nicht lange bitten und startet mit dem Dingi zum Strand. Doch anstatt des weichen, feinkörnigen Sandes, den man vielleicht auf den ersten Blick erwartet hätte klirrt es auf den ersten Metern unter unseren Füßen - als würden wir über zerbrochenes Geschirr laufen. Der Sand ist wesentlich gröber, angespülte Muscheln und Korallen sind noch nicht zu Sand zerrieben, was dem klassischen Strandspaziergang hier eine gewisse, die Fußsohlen fordernde Note und der Landschaft gleichzeitig eine ungewohnt raues Gesicht verleiht. Dieses Motou scheint uns überraschend wenig polynesisch lieblich als vielmehr zerklüftet und wild. Die beständig gegen das Riff donnernden  Wellen  und aufsteigende, in weiße Wolkenfetzen explodierende Gischt tragen ihr übriges zu diesem Eindruck bei. Unterwasser bietet sich dem interessierten Schnorchler eine scheinbar unbändige Farben- und Formvielfalt an Fischen und Korallen. Hier gibt es Blitzblau, Dottergelb, Samtschwarz, Scharlach Rot und selbstverständlich weit mehr schillernde Türkis- und  Grüntöne an Unterwassergetier aller Formen, Längen und Fortbewegungsarten zu sehen, als man sich vorstellen kann. Man schmückt sich variantenreich mit brillierenden Farben, in teilweise gewagten Kombinationen, im Streifen-, Punkt- oder  klassisch wildgefleckten Mustern. Schon während dieser ersten Tage stellen wir fest: die Tuamotous halten alles, was sämtliche Inselparadiespostkarten versprechen und noch weit mehr.

Das nächste Highlight zupft nur wenige Tage später an Gernots Angel. Auf der Überfahrt nach Rangiroa (auch bekannt als Hawaiki) bemerken wir einen großen Biss an Gernots "kleiner" Angel und Spekulationen über Art, Größe und Gewicht des Fangs laufen sofort an - doch es sollten noch sage und schreibe drei Stunden Drill wie aus einem von Hemingways Romanen vergehen, bis wir den Fisch an Bord hieven konnten. Immer wieder taucht er ab und verlangt die mühsam erkurbelten hunderte Meter an Fischleine wieder zurück. Ein paar mal drohte er uns trotz laufender Maschinen zu überholen und die Leine kam dabei den Schrauben gefährlich nahe. Es wurde schon ein Haifang befürchtet und eine Schlinge vorbereitet - man beachte an dieser Stelle, dass Wolfi, unser Mann am Gaff, sich auch trotz der Haiwarnung standhaft weigerte Schuhe zur Bergung des potenziellen Hais anzuziehen. Zu Handschuhen ließ er sich immerhin überreden. Stolz wird dann nach Stunden des Leine Einholens und doch wieder nachgeben Müssens im Logbuch vermerkt: "Vermeintlicher Hai, der sich im letzten Moment als Yellow Fin Tuna entpuppt, erfolgreich trotz im Showdown gebrochener Angel an Bord gezogen. Gernot glücklich, Rest der Mannschaft euphorisch. Bier für alle!"

Die Segel werden sofort wieder gesetzt und Fahrt zum Pass aufgenommen. Wir schaffen die Einfahrt gerade noch bei gutem Licht doch selbst dann sind die Tücken der Passage nicht zu unterschätzen. Noch bevor wir vom Sog des einlaufenden Stromes erfaßt werden sehen wir die Wasseroberfläche unmittelbar vor uns düster brodeln. Dunkel und aufgewühlt sprudelt es zwischen den Schwimmern der Colorado und die gegeneinander anlaufenden Wellen klatschen von allen Seiten gleichzeitig gegen die Bordwände. Eine wilde Strömung erfasst die Catana 47 und beschleunigt sie immerhin auf eine Geschwindigkeit von 13 Knoten, gleichzeitig schieben Unterwasserverwirbelungen Backbord und Steuerbord unregelmäßig an, so daß am Steuerrad kräftig und bestimmt gekurbelt werden muss um nicht in einen gefährlich orientierungslosen Zickzack Kurs zu verfallen. Denn Unterwasserströmungen in einer Intensität, wie sie hier herrschen, versetzen einen  unaufmerksamen Steuermann nur allzu rasch in bedrängende Nähe zu Land und Grund. Auch die Anzeige des Tiefenmessers hüpft hektisch ob der sich ständig durchmischenden Wasserdichten die Skala rauf und runter und Erhard muß sich bei der Einfahrt mehr auf seine Erfahrung und ein gutes Bauchgefühl verlassen als auf die Anzeige der Instrumente. 

In der Lagune von Rangiroa angekommen können wir uns nun in aller Ruhe dem gigantischen Tuna widmen, der seinen Weg etwas unfreiwillig an Bord der Colorado gefunden hat. Tapfer hat er bis zuletzt gekämpft, doch eine neunköpfige, hungrige Mannschaft war dieses Mal einfach stärker. Vor dem fachgerechten Filetieren wird der Tuna noch mit Mascha gegengewogen um eine Vorstellung vom Gewicht des Fangs zu bekommen. Frau und Fisch werden mit einer Dynema Leine, die über den Grossbaumblock gelegt wird aufgezogen doch das Paar hängt noch etwas ungleich. Man überlegt kurz und nachdem man dem Fisch noch einen Kübel voll Wasser an die Flosse gehängt hat wiegen sie einander nun beinahe auf. Der Tuna hat 52kg. Was für ein Fang! Nun gehen Gernot und Wolfi, bewaffnet mit japanischem Filetier-Schwert und Strinlampen ans Werk. Das tiefrote, zarte Yellow Fin Tuna Fleisch löst sich butterweich in Holzscheit Dimensionen vom Skelett des Tieres und kommt sofort nach fachgerechtem Einfolieren in die Kühlung. Christian wetzt bereits freudestrahlend das Küchenmesser und bereitet ein Tuna Carpaccio der Extraklasse vor. Als zweiter Gang kommen dann Steaks von für den Autonormalverbraucher unvorstellbaren Dimensionen mit gebratenen Kartoffeln auf den Tisch. Heute Abend muss niemand hungrig zu Bett gehen... und die kommende Woche wohl auch nicht.

 

Gleich am Tag darauf erwartet uns der nächste sensationelle Ankerplatz - die "Blue Lagoon". Hier ist der Name definitiv Programm. Ein Blau das jeden Aquamarin vor Neid erblassen lassen würde leuchtet brilliant zwischen den Palmen gesäumten, sanft geschwungenen Sandbänken hervor. Eine Lagune in der Lagune, deren unglaublich seichtes Wasserbecken zur Mittagszeit in Kristallklare Farbbrillianz explodiert. Wir werfen den Anker sozusagen in der "ersten Reihe fußfrei", direkt vor diesem Ausblick. Wir stellen jedoch bald fest, daß die innere Lagune mit dem Dingi nicht zu erreichen ist. Man kann allerdings mit den Ocean Kayaks problemlos über die seichten Stellen der Einfahrt übersetzen und direkt hinein paddeln. In der kleinen Lagune lässt es sich ganz fantastisch den  eigenen Gedanken müßig nachhängen, dahintreibend in einem Ocean Kayak, bei säuselndem Wind und flüsternden Palmenblättern.  Wirklich eilig hat es niemand hier wieder wegzupaddeln und wer eine Kamera dabei hat, bekommt bei solchen Motiven einen geradezu nervösen Finger am Abzug des Geräts. Die Bilder, die an diesem Tag entstanden sind neidet einem jedes Reisebüro und jeder Katalogvertreiber.

Doch allzu lange kann uns selbst die Blue Lagoon nicht halten. Zu viele Motous gibt es noch zu erkunden und zu entdeckungswürdig scheinen uns die Inselstreifen in der Ferne. So machen wir uns am kommenden Nachtmittag zu einem neuen Ankerplatz auf und setzen die Segel mit Ziel Apataki. Die Nachtfahrt gestaltet sich Anfangs gemütlich und unter angenehmen Segelbedingungen verfahren wir die ersten Meilen in die Dunkelheit hinein. Die Wachablöse zu späterer Stunde wird dann allerdings durch einen Schauer etwas eingewassert und es geht gleich flott dahin. Noch etwas unkoordiniert aus der Koje tapsend kann man sich auch eine angenehmere Begrüßung vorstellen als einen Regenvorhang ins bettwarme Gesicht geweht zu bekommen - aber immerhin ist man dann gleich richtig wach und das Deck wird anständig entsalzt. In den frühen Morgenstunden läßt der Regen dann aber auch schon wieder nach und wir trocknen uns in den ersten, zaghaften Strahlen der über den Horizont steigenden Sonne.

Den passenden Ankerplatz müssen wir bei dem in der Karte beschriebenen Mouillage de Roto Ava allerdings erst etwas suchen - diverse Anläufe scheitern entweder an Korallenköpfen oder der Wassertiefe - bis wir mit komfortablem Abstand zum Land sicher hängen und nach einem kräftigen Ham&Eggs Frühstück macht sich ein Stoßtrupp der Colorado auf, das Archipel Apataki zu erkunden. Die Anlandung gestaltet sich für alle Dingifahrenden ausgesprochen nass und wesentlich weniger elegant als die der sportlichen Kayakfahrer. Während die kleine Exkursion den schmalen Streifen Strand dieser sich eher  wild als träumerisch darstellenden Südseeinsel zu erkunden beginnt, macht sich Gernot auf den Apatak´schen Unterwassergärten einen Besuch abzustatten. Einmal den Kopf unter die unruhige Wasseroberfläche gesteckt, tut sich unter einem ein Plateau, dicht bewachsen mit den farbenprächtigsten Korallen, durchzogen von schillernden Fischschwärmen, auf. Die Formenvielfalt kennt hier kaum Grenzen - von spitzkantigen Korallenstöcken, die ihre safranfarbigen Arme wie Eiskristalle in alle Richtungen recken, über in den wogenden Lichtbrechungen der Wasseroberfläche rostrot glimmenden Kuppeln deren  sanfte Windungen eher an einen weichen Badeschwamm als an hart gewachsenen Kalk erinnern, bis hin zu den sich in Türkis- und Blautönen auffächernden Geflechten, in denen sich die kleineren Riffbewohner gerne verstecken. Die Fische lassen sich kaum durch den Schnorchler in Ihrem Tagesgang stören. Die in leuchtend grün, Lagunenblau und einem Hauch von Violett gedeckten Papageienfische lassen sich an der Plateaukante treiben - völlig ungerührt von einem vorbeieilenden Schwarm gelbblinkender Fähnchen Falterfische. Kleinere indigoblau leuchtende Fischschwärme lassen sich wie eine  Wolke Schmetterlinge mit den Wellenbewegungen um einen Korallenkopf treiben, Drückerfische verteidigen eifersüchtig ihr Revier und eine Schule Zebragestreifter Dreibinden Preußenfische schwimmen so knapp unter einem vorbei, dass man ihre feinen, durchscheinenden Flossen fast schon den Bauch kitzeln spürt.

Von Apataki geht es weiter nach Fakarava und am Morgen bevor wir den Anker lichten erwartet uns ein ganz besonderer Anblick. Es herrscht absolute Windstille und Wogenglätte. Den Horizont kann man kaum noch erkennen, denn die Wasseroberfläche liegt einem perfekten Spiegel gleich unbewegt da und gibt den sich über ihr im ersten Licht des Tages graublau aufspannenden Himmel makellos wieder. Der Skipper meint: "Wie an einem Sonntagmorgen am Mattsee und Regatta ist angesagt."

In Fakarava angekommen sticht uns besonders der Strand von Hirifa ins Auge. Ein einziger lang gezogener Schwung von orange getöntem Sand trennt mit nur wenigen Metern eine üppig palmenbestandene Fläche von einem genüßlich an und abschwellenden Meeresspiegel. Bei einer kurzen Inselerkundung entdecken wir, etwas weiter im Landesinneren, eine relativ flache Senke, die einen bescheidenen Durchfluss von Meereswasser von einer Inselseite zur anderen erlaubt. In dem seichten, von der Sonne lauwarm erwärmten, kristallklaren Wasser waten wir etwa knietief bis unerwartet einige kleine Haie in Sicht kommen. Durchschnittlich nur etwa einen Meter lang gewachsene Schwarzspitzenhaie, die sich - steht man ganz ruhig - zaghaft an uns heranschlängeln und einen dann neugierig umkreisen. Haie lassen sich in den Tuamotous generell wunderbar beobachten. Sei es beim morgendlichen Bad, wo man bereits vor dem Eintauchen ins erfrischende Nass ihre dunklen Schatten dicht unter der Wasseroberfläche dahinziehen beobachten kann, sei es beim abendlichen Abwasch, wo im Schein der Stirnlampe die geschlitzten Augen größerer und kleinerer Exemplare aus dem Schwarz  des Meers aufleuchten und die sich in einem Knäul windendender, Torpedo geformter Körper um Tunareste balgend das Wasser aufwühlen. 

Einer Empfehlung der Seenomanden folgend, besuchen wir auch den legendären Tetamanu Pass, um dort in der Strömung des Passes Tauchen zu gehen. Gleich nach dem Anker setzen machen wir uns auf zu einem Expeditionstrip zwecks Passtauchen und Pink Arena Sand sammeln. Am Ufer des Durchbruches liegt ein kleines Hotel, mit etwa drei Bungalows direkt hinaus ins strömende Passwasser entlang einer atemberaubenden Korallenkante gebaut. Dort legen wir mit dem Dingi am letzten Steg vor dem Pass an und es bietet sich uns eine Sicht durchs Wasser wie durch eine Aquariumscheibe. Das Wasser ist so klar, man braucht eigentlich gar nicht erst den Kopf unter die Oberfläche zu stecken. In der Nachmittagssonne bricht sich das Licht auf den Korallen in Regenbogenfarben und Fische in brillierenden Farben stehen scheinbar gemütlich in der Strömung. Leider ist der Zug des auslaufenden Wassers bei weitem zu stark als daß wir hier heute Schnorcheln gehen könnten. Wir begnügen uns mit einem Blick von Oben in ein hinreißend schillerndes Aquarium. Unser nächstes Ziel ist die Pink Arena, also machen sich Gernot und Erhard zuerst nur zu zweit auf, das Dingi gegen die Strömung im Pass hinauf zum Steg, der am weitesten in die Lagune hinein ragt, zu manövrieren, damit der Rest der Besatzung einsteigen kann. Hier entdecken wir ein beschauliches kleines Restaurant, Teil des Hotels. Offen, allerdings überdacht, gebaut wie eine einzige große Terrasse mit Blick auf den Sonnenuntergang während man genüßlich sein Abendessen zu sich nehmen kann. Gerne hätten wir hier einen Sundowner-Zwischenstop eingelegt doch die Zeit drängt uns zur Eile um die Pink Arena noch bei gutem Licht zu erreichen. Die Fahrt dorthin entpuppt sich jedoch als abenteuerlicher als gedacht: ein mit sieben Seefahrern schwer beladenes Dingi hat mit dem seichten Grund und den pilzköpfigen Korallenstöcken schwer zu tun. Es wird mit Motor, Rudern und am Ende sogar mit Flossen angeschoben bis wir die Pink Arena tatsächlich erreichen. 

Wir haben an diesem traumhaften Flecken nur kurzen Aufenthalt, denn am nächsten Morgen müssen wir zurück zu den Gesellschaftsinseln. Eine Wegstrecke von 270 Seemeilen liegt vor uns doch diesmal gleiten wir mit achterlichen Winden wie eine Sänfte getragen durch die sich gemächlich formende Hügellandschaft des Südpazifik. 170m2 aufgefächertes, sich im Passatwind bauschendes weißes Segeltuch sind ein beeindruckender Anblick und die Mannschaft hat ausreichend Gelegenheit klassisch Passatwind zu Segeln. Zwei Tage und Zwei Nächte lassen wir uns Morea entgegen schieben. Dort treffen wir nun endlich wieder auf das "verlorenen Schaf" Satie, deren Mannschaft uns ein Empfangkomitee per Dingi und gerüstet mit einem Willkommenstrunk entgegenschickt.

Nicht Lange und unsere dritte Yacht Tschaikowski, mit Skipper Gofi, gesellt sich ebenfalls hinzu. Einer die Wiedervereinigung zelebrierenden Bordparty steht nichts mehr im Wege. Sofort werden die ersten Vorbereitungen für die lang erwartete Palatschinken-Party, die es an diesem Abend geben soll, getroffen. Was an Zutaten nicht mehr ausreichend in unserem eigenen Bestand vorhanden ist, wird von den beiden anderen Crews großzügig beigesteuert. Nach dem Abendessen treffen dann Dingitaxi nach Dingitaxi ein und bald ist das ganze Cockpit der Colorado mit 25 sich unterhaltenden, Erlebnisse austauschenden Seglern gefüllt. Unser Skipper legt sich für die Zubereitung von Sage und Schreibe 25 Cuba Libres ins Zeug und ist für Nachschlag auch jederzeit zu haben während sich Max als kulinarischer Nachwuchskünstler bereits mental auf stundenlanges Palatschinken Schupfen einstellt. Die Küche bietet heute Abend eine Auswahl von Palatschinke "Klassisch" (mit Marillen Marmelade), Palatschinke "Nutella" und Palatschinke "Spezial" (mit Rohrzucker und Limettensaft). Alle Varianten optional auch flambiert zu ordern. Und während man draußen locker plaudert und am Sun-Downer nippt wird in der Bordküche konzentriert eine Wunschpalatschinke nach der anderen zubereitet.

Unsere Reise neigt sich nun schon dem Ende zu, nur noch zwei Tage bleiben uns bis wir Zeitplan gerecht in der Marina auf Raiatea einlaufen sollen, doch ein besonderes Erlebnis muss an dieser Stelle noch Erwähnung finden. Auf den Tipp eines österreichischen Weltumsegler Paares hin, auf deren oberösterreichischen Dialekt wir im Funkverkehr um Morea aufmerksam wurden, machen wir uns auf den Weg zu einer Stelle, an der man angeblich mit Rochen schwimmen kann. Laut unserer Informationen werden von dem unweit gelegenen Resort aus an einer bestimmten Stelle der Sandkannte patrolierende Rochen und Haie regelmäßig zu festen Tageszeiten gefüttert. Inzwischen finden sich pünktlich ganze Hai- und Rochenherden ein. In Erwartung eines Leckerbissen kommen die Rochen in Scharen an den Schnorchler heran, reiben ihre blassen Bäuche an unseren Fußsohlen und streifen unsere Rücken und Arme mit ihren grauen Schwingen. Ein Gefühl wie gekühlte Seide die über unsere Haut zieht. Manche werfen sich einem regelrecht an den Hals und es ist ein berauschendes Erlebnis inmitten dieser durchs Wasser schwebender Segler zu stehen. In zunächst respektvollem Abstand gesellen sich etwa später auch Haie zur Fütterung hinzu und auch sie trauen sich langsam immer näher an uns heran. Wieder gilt: verhält man sich ruhig und zappelt nicht allzu aufgeregt mit sämtlichen Extremitäten, kommen sie neugierig heran und anstatt einer sicheren Aquariumwand trennt den Schnorchler und den Hai nur die Bequemlichkeit eines Jägers dessen Überzeugung nach die zugefütterten Leckerbissen einer Kostprobe Segler vorzuziehen sind.

Nach diesem Erlebnis heißt es nun schließlich "Anker auf zur Fahrt nach Raiatea". Mit etwa 2kg Entrecôte im Bauch, um für die Entbehrungen der Nacht vorbereitet zu sein, machen wir uns auf den Weg zurück. Es war ja durchaus kräftiger Wind für unsere Überfahrt angesagt, doch mit dem was uns erwartet als wir aus der Inselabdeckung heraus kommen, hatte dann doch wohl niemand gerechnet. Wir messen 45 Knoten Wind und Wellen bis zu 5 Meter. Vom zweiten Reff auf das Dritte dauert es nicht lange. Ein Fisch beißt an Gernots Leine - ungünstigerweise während des Reffmanövers - und wird ob Geschwindigkeiten von bis zu 18 Knoten, mit denen wir über die Wellen sausen, direkt aus einem Wellenberg katapultiert, schlingert durch die Luft und klatscht ein paar Mal wieder auf bevor er dann doch noch buchstäblich "Vom Winde verweht" wird, bevor wir den Fang einholen können. Wir fliegen unserem Ziel entgegen - und müssen nun sogar aufpassen nicht über selbiges im wahrsten Sinn des Wortes hinauszuschießen.  Der Steuermann ist Wind und Wellen am Heck natürlich gnadenlos ausgesetzt und bei jeder der über Bord schwappenden Wellen prüfen wir ob es den Steuernden nicht auch gleich mit von Bord der Colorado gespült hat. Selbstverständlich ist er mit seiner Lifeline sicher mit der Yacht verbunden. Ein Blick gen achtern zeigt sich wie in Zeitlupe auftürmende und heranrollende Wellengebirge, die entgegen jedem Anschein doch jedes Mal unter uns hindurchwogen anstatt uns einfach zu verschlucken. Etwa fünf Stunden nach unserem Start stellen wir anhand der in der Karte und am GPS genommenen Positionen fest, dass wir trotz allem Bremsens eindeutig zu schnell sind. Navigator Max studiert schon mal die Karte auf alternative Pässe, die westlich der der Insel und damit etwas weiter entfernt liegen, da wir unter den aktuellen Bedingungen auf jeden Fall mehr Licht als das eines verhangenen Mondes, benötigen um die Colorado heil durch den Pass zu steuern. Die Entscheidung fällt auf Pass Rautoanui. Nach Mitternacht übernimmt Gernot das Ruder und fährt sich samt Kat in den Morgen seines Geburtstags und Raiatea entgegen.

Schließlich gegen etwa sieben Uhr Morgens liegen wir in der ruhigen Bucht von Pulau vor Anker. Nach einer solchen Nacht ist man dann auch gar nicht mehr wählerisch mit dem Liegeplatz und so haben wir uns einen Haltepunkt quasi im Vorgarten eines lokalen Inselbewohners ausgesucht. Welcher uns auch gleich etwas ungehalten über diesen Missstand aufklärt, doch unserer durchnässten, durchwindeten Erscheinungen gewahr werdend, großzügig erlaubt hier bleiben zur dürfen bis wir uns ein wenig erholt hätten. Nachdem wir bis hierher quasi mehr tief geflogen als gesegelt sind, freuen sich alle nun über eine idyllisch ruhige, seeganglose Bucht, ein Hinano (lokales Bier) und anschließend etwas Schlaf in einer Koje, deren Wände einem nicht abwechselnd entgegen kommen.

Noch eine ganz kurze Strecke trennt uns nun von der Rückkehr in die Marina und damit gleichzeitig dem offiziellen Ende des Törns. Gofi, Stefan und Erhard legen bei starkem Seitenwind alle drei nacheinander ein nicht nur der Crew sondern auch dem Marina Personal Annerkennung abringendes, einwandfreies Anlegemanöver hin und setzen die drei Katamarane, eng aneinander gekuschelt, wieder an die Mole. Eine letzte Nacht dürfen wir noch in den sich sanft wiegenden Kojen unserer Yachten verbringen. Eine Gelegenheit ganz für sich noch einmal die Bilder, Gedanken und Abenteuer, der wie im Flug vergangenen letzten Wochen Revue passieren zu lassen.

 


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